04. Dezember





Die große Reise des Nikolaus  (Teil 1)

von Marlies Klein

Dezember ist's, der Wind bläst kalt
und Schnee liegt über Feld und Wald.
Zum Fenster schaut ein Bub heraus,
"Heut abend kommt der Samichlaus"
denkt er, und das gefällt ihm nicht,
er macht ein gar betrübt Gesicht.

Denn seine grossen Brüder sagen:
"Er wird dich mit der Rute schlagen,
steckt dich dann in den Sack, oh Graus,
und schleppt dich in den Wald hinaus."
Die Tränen rinnen auf der Wang,
dem Buben ist es angst und bang.

Schneeflocken tanzen dort im Wind,
wer kommt da auf dem Weg geschwind?
Die grosse Schwester ist's, zum Glück!
Sie kommt schon aus der Schul zurück.

Sie nimmt den Bruder auf den Schoss.
"Du weinst ja, sag , was ist den los?
Du fürchtest dich vor'm Samichlaus,
denkst gar, du musst in' Wald hinaus?
Hör zu, ich will dir alles sagen,
was sich im Himmel zugetragen!

Heut sandte der heilige Nikolaus
viele hundert Boten aus,
vom Himmel fern, hinab zur Erden,
denn bald wird es Weihnachten werden.

Du kannst es dir denken,
ein Samichlaus kann nicht alle beschenken.
Nun will ich dir in diesen Bildern,
des Niklaus grosse Reise schildern."

Auf dem himmlischen Flugplatz,
Ballon an Ballon,
einer fliegt nach dem andern davon.
Man sieht, wie sie sich in die Wolken erheben
und weit hinunter zur Erde entschweben.

Da steigt ein weisser Ballon in die Luft,
und der heilige Nikolaus drunten ruft:
"Sag den Kindern auf Erden,
sie sollen gute Menschen werden!"

Der heilige Nikolaus lange noch blickt
zu den Boten hinauf, die er ausgeschickt.
War er doch selber seit fünfhundert Jahren
jeden Winter zur Erde gefahren,
um viele Kinder zu beschenken,
dass sie an Christkinds Geburtstag denken.

Einst lebte er, s'ist lange her,
als Bischof zu Myra am Schwarzen Meer.
Er hatte alle Kinder gern
und lehrte sie beten zu Gott dem Herrn.

Da fliegt der grosse weisse Ballon
durch Wolken und Wind zur Erde davon,
in der Gondel ein Chlaus im roten Gewand,
sein braver Esel luegt über den Rand.

Lang schaut er in die Tiefe hinunter;
da ruft er laut - der Esel wird munter -:
"Lueg Eseli, lueg! Wir fliegen bereits,
über mis Ländli, über die Schweiz."


Fortsetzung folgt ...




Herzlichen Dank an Maria, deren Bilder ich in diesem Jahr freundlicherweise verwenden darf :-)

 


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