15. Dezember





Die große Reise des Nikolaus  (Teil 3 und Schluß)  

von Marlies Klein


(Teil 1)    (Teil 2)

Drinnen in der warmen Stube
zitternd drückt der kleine Bube
sich ganz hinten an die Wand,
Samichlaus gibt ihm die Hand,
fragt mit freundlichem Gesicht,
ob er brav sei, oder nicht?

"Ach, der Chlaus wird es entdecken,"
denkt der Peter voller Schrecken,
"was ich Schlimmes hab getrieben,
da im Buch steht es geschrieben."

Und der alte Niklaus spricht:
"Nein, brav warst du aber nicht!"
Und dann hat er aufgezählt,
was er alles angestellt:
"Du folgst nicht, schreist und wirfst die Türen,
die Brüder können nicht studieren
bei diesem Lärm im ganzen Haus!"

Die Rute zieht er jetzt heraus.
"Willst schlafen nicht, nicht Hände waschen,
nicht Zähne putzen, tust Zucker naschen!
Oh das gefällt mir wirklich nicht."
Er macht ein zorniges Gesicht.

Nun sieht er, wie dem bösen Kind
über die Wang' die Träne rinnt,
so gross wie eine Haselnuss.
Da denkt der Samichlaus, ich muss
mal nachsehn weiter hinten,
vielleicht lässt sich was Bess'res finden.

Sieh, da erhellt sich seine Miene:
"Du hast gerettet eine Biene,
sie wär' ertrunken in der Tasse;
du trägst die Schnecken von der Strasse
hinüber auf die sichre Wiese,
du hütest Nachbars Kuh, die Liese,
streust jetzt den armen Vögeln Futter,
hilfst in der Küche deiner Mutter,
behandelst gut die Bilderbücher
und bügelst gar die Taschentücher."

Da können beide wieder lachen.
Er schüttet all die guten Sachen
in die Mitte von der Stuben
für den lieben, bösen Buben.
Äpfel, Nüsse, Pfefferkuchen
muss er dann zusammensuchen.

Schoggitaler, Biberfladen
rollen unter Tisch und Schrank,
unter Stuhl und Ofenbank.
Und mit glücklichem Gesicht
sagt er ein Adventsgedicht.

Auch die Mutter lächelt froh:
"Lieber Chlaus, ich dank Dir so,
dass Du bist zu uns gekommen,
meinen Bub nicht mitgenommen."

"Doch ich muss jetzt wieder wandern
zu den Kindern, zu den andern;
sei du artig, gut und fromm,
übers Jahr ich wiederkomm!"

Die Mutter macht die Läden zu,
die Kinder legen sich zur Ruh,
die Uhr schlägt neun, es ist schon spät,
der Peter spricht sein Nachtgebet:
"Du lieber Gott halt Deine Hand
auf unsre Stadt und unser Land,
tröst' die, die krank und traurig sind,
lass hungern keine armen Kind;
und hilf, dass in der weiten Welt
der Friede seinen Einzug hält."

Nach drei Tagen steigt er schon,
in den weissen Luftballon,
vor dem ersten Sonnenstrahl
verlässt er Hütte, Berg und Tal.

Auf der Stadt noch Nebel liegt,
der Niklaus in den Himmel fliegt
weit hinweg vom Erdenball
in das grosse Weltenall.

Und er schreibt in den Bericht:
"Böse Kinder fand ich nicht."

So fliegen sie aus allen Städten,
hinauf zum heiligen Nikolaus,
die weite Reise hat ein Ende
und die Geschichte ist jetzt aus.


Herzlichen Dank an Reinhard Lüder, der mir die Erlaubnis gegeben hat, diese selbstverfasste Geschichte seiner Mutter Marlies Klein hier zu veröffentlichen.

Im Original sind die Verse wunderschön bebildert und hier anzusehen.




Herzlichen Dank an Maria, deren Bilder ich in diesem Jahr freundlicherweise verwenden darf :-)

 


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